Mein Elektroauto, ein Erfahrungsbericht

Mein Elektroauto

ein Erfahrungsbericht

…..und wieweit kannst du damit fahren?

Das ist die häufigste aller Fragen, die ich zu hören bekomme, wenn ich mit meinem Elektroauto unterwegs bin. Ich bin mir sicher, das geht allen anderen Besitzern eines E-Autos auch so.

... ich fang' mal vorne an.
Nachdem mein Astra 1,7 CDTi mit einem Motorschaden ausgefallen war, stellte sich im November 2018 die Frage nach etwas anderem.
Die Rahmenbedingungen: 50 km einfache Fahrt zum Betrieb (ab Januar 2019), Dieselfahrverbote, Benzinpreise um die 1,40 € (November 2018) , Ladesäule direkt vorm Betriebsgebäude aber auch in erreichbarer Nähe von meinem Wohnhaus, ca 3,5 km Entfernung.
E-Auto Probe gefahren, für gut befunden und gekauft.

Ein Renault ZOE, Jahreswagen, ca. 13000 km Laufleistung, 44kW Leistung, 22kWh Batteriekapazität.
Aufgrund der zu erwartenden Fahrleistung die höchste Batteriemiete. Reichweite laut Verkäufer ca. 180 km unter optimalen Bedingungen.  (Bild Einfügen) Soweit so gut.

Bereits als ich das Auto abgeholt habe und "nur" 130 km bei 100 % angezeigt wurden kam schon die erste Ernüchterung. Jetzt muss man sagen, dass im November die Bedingungen nicht mehr optimal sind. Es wurde schon kälter und zumindest bei meinem E-Auto spielt die Temperatur bzgl. der Ladekapazität offenbar eine sehr große Rolle.

Ladekapazität und Außentemperatur

Es ist erstaunlich, wie weit 130 km sein können.
Rückblick: Mein Astra hat mir bei einer vom Fahrzeug errechneten Reichweite von 100 km bereits signalisiert, dass ich dringend eine Tankstelle anfahren muss. Der ZOE stellt bei einer errechneten Reichweite von 130 km im November sein volles Potenzial zur Verfügung. Dies muss einem erstmal klar sein wenn man auf ein Elektro-Auto umsteigt. Zudem kann man nicht einfach so an eine Tankstelle fahren und den Akku innerhalb weniger Minuten aufladen. Hier ist Planung angesagt und das Umdenken in der eigenen Mobilität.

Ladevorgang und Preisstrukturen

Dennoch, das fahren mit einem E-Auto macht einfach Spaß. Die ersten Fahrten gingen natürlich nicht gleich bis an die Kapazitätsgrenze der Batterie, aber es ist schon interessant, dass ein Austesten der Reichweite eines E-Autos sich genauso darstellt wie das Erkunden der Umgebung von jungen Kaninchen, die zu ersten mal den Bau verlassen.....

...und dann kam der Besuch bei meiner Schwägerin. Ein Fahrt über 53,4 km, im November, relativ kalte Temperaturen, ca. 110 km errechnete Reichweite vom ZOE.
Kurz in die Ladesäulenapp geschaut und siehe da, eine Ladesäule ca. 350m vom eigentlichen Ziel entfernt. Und somit kein Problem, jetzt muss die Säule nur noch frei sein (Sie war es auch).

Beim eigentlichen Besuch, in einer Kleinstadt mit begrenzten Parkmöglichkeiten, kam auch gleich die Frage der Fragen.

"…..und, wie weit kommst du damit?"
dann direkt die zweite Frage "…wie lange dauert das Laden?"
und wie solls auch anders sein "… wo ist denn die nächste Ladesäule?"

Nachdem ich alles beantwortet hatte, dass ernüchternde Statement des Lebensgefährten meiner Schwägerin:
"…und dann bist du die ganze Strecke von der Ladesäule bis hierher gelaufen…"
mmh, ok, gutes Argument aber bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass er zwar direkt vor dem Haus einen Parkplatz hat, Besucher aber durchaus erst auf dem nächsten öffentlichen, aber kostenpflichtigen Parkplatz ihr Fahrzeug abstellen konnten. Dieser ist übrigens auch fast 350m entfernt. Außerdem, als Hundebesitzer sind Strecken unter 1,5 km doch eher Entspannung.

Aufgrund der ersten Fahrt über die Autobahn kam auch gleich die zweite Ernüchterung. Die durch das Fahrzeug errechnete Reichweite verringert sich erheblich, wenn Leistung permanent abgerufen wird.

Ich hab mal versucht den Unterschied zwischen E-Autos und Autos mit Verbrennermotor bzgl. des Leistungsabrufes darzustellen.
Hier gelangt ihr zum Blog.

Kurz gesagt: errechnete Reichweite im November direkt nach dem Laden vor der Heimfahrt: 109km, Effektive Strecke 53,4km
errechnete Reichweite bei Ankunft zuhause: 37 km.
Fazit: Autobahnfahrten sind Energieraubend.

Warum ich immer von errechneter Reichweite spreche könnt ihr in einem anderen Blog lesen.

Ernüchternd hab ich mir nun das Ergebnis angeschaut. Mir war klar, dass ich ab Januar ein Problem habe. Wenn es kälter wird, ist es nicht möglich, mit einer Ladung zum Betrieb und wieder zurück zu pendeln. Dazu kommt der Umstand, dass die nächste öffentliche Ladesäule ca. 3,5 km von mir zuhause weg ist.

Kein Problem: Ladesäule für den Hausgebrauch….oder doch nicht?

Preise, Ladung, Batteriemiete...alles dazu in einem anderen Blog.

Nein, ich habe mir keine Ladesäule zuhause installiert, und dass obwohl ich eine eigene PV Anlage mit Eigenverbrauchtarif mein Eigen nennen darf.

Hier gibt es Fakten zu meiner PV Anlage

Kurzer Exkurs.
Ich bin mir sicher, es gibt immer gute Gründe warum sich jemand für oder gegen ein Elektroauto entscheidet.
Mein Grund ist getrieben von Neugierde. Ich wollte einfach wissen ob ein E-Auto praktikabel und alltagstauglich ist. Ich gebe zu, es ist recht teuer sich mal aus Neugierde ein E-Auto zu kaufen und einen Test zu machen. Aber ich habe aus der Not eine Tugend gemacht ich brauchte ohnehin ein neues Auto, da mein Astra sich leider verabschiedet hatte. Außerdem steckt auch ein wenig Idealismus dahinter.

Gründe, warum sich jemand ein E-Auto zulegt.

Warum ich mir keine Ladesäule zulege,  - aus Kostengründen.
Mein Blog Preise, Ladung, Batteriemiete sowie die Gründe für ein E-Auto zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, sich die Kosten durchzurechnen. Besonders dann, wenn das Auto zum Pendeln genutzt wird und auf die jährliche Steuererklärung Einfluss nimmt.

Eine Ladesäule ist eine Anschaffung, die letztendlich der Elektroinstallation vom Gebäude zugerechnet wird. Hier gibt es qualitativ hochwertige Ladesäulen, aber auch kleinere einfache Geräte.

Hier findet ihr einen kleinen Bericht über unterschiedliche Ladesäulen.

Eine brauchbare Ladesäule für den Privatgebrauch schlägt mit ein paar hundert Euro zu Buche. Diese ist aber nicht direkt bei der Steuer absetzbar. Lediglich die Handwerkerkosten sind bei der Steuererklärung anzugeben. Außerdem wird der benötigte Ladestrom durch den Energieversorger nach dem normalen Arbeitspreis vom Hausanschluß berechnet. Bei meiner durchaus geringen Batteriekapazität sind das dann ca. 5€ pro Ladung die dann auch noch obendrauf kommen.

Also wieder die Not zur Tugend gemacht: Ich nehme den Hund mit zum Laden.

Die Ladesäule liegt für einen Ausflug mit dem Hund sehr günstig an einem Autohof in der nähe von Feld-, Wald- und Wiesenwegen. Und der Hund freut sich, wenn er in den Kofferraum springen darf und ich danach für mindestens 1,5 Std mit ihm Gassi gehe.
Jeder Hundebesitzer kennt das. Es gibt fast keine bessere Möglichkeit mit anderen Hundebesitzern ins Gespräch zu kommen als ein eigener Hund. Es sei denn, man steht mit dem Hund und seinem Auto an einer Ladesäule und gibt ein Statement zu den Ladezeiten, Reichweite und Kosten eines Elektroautos ab.
Dann vervielfacht sich das Gesprächspotenzial und man kürzt die Hunderunde von 1,5 Stunden auf 30 Min.
Ja, sowas passiert und dabei stellt man dann irgendwann fest, dass wenn man nächsten Morgen um 7:30 Uhr im Betrieb sein muss, am Tag vorher die Ladezeit von über einer Stunde auf weiter Flur mit dem Hund verbringt. Ein teuer erkaufter Energievorrat aber auch eindeutig eine Win-Win-Situation für Hund und Herrchen, denn mehrfach am Tag eine Stunde den Hund beschäftigen ist ohnehin Teil meines Tagesplans. Aber was macht der Fahrer eines E-Autos ohne Hund in der Zeit? Nun dies muss seiner eigenen Phantasie überlassen bleiben.

Bei angenehmeren Temperaturen ist dies aber nicht nötig, da die Reichweite bei mir ab März so hoch ist, das ich durchaus den Hin und Rückweg zur Firma schaffe und dort direkt vor der Haustür Laden kann. Jetzt kann man sich fragen, warum ich mich nicht für eine größere Batterie entschieden habe?
Wieder aus Kostengründen. Höhere Kapazität, höherer Batteriemiete und auch höhere Ladezeiten. Und damit schwindet auch der finanzielle Vorteil zwischen E-Auto und Verbrennermotor.

Siehe dazu auch meinen Beitrag E-Auto, Preise und Batteriemiete.

Fazit:
Ein Batteriebetriebenes Elektroauto macht einfach nur Spaß. Aber man muss den Umstand im Blick halten, dass man sich mit dem Kauf eines Elektroautos unter Umständen ein Stückchen an Flexibilität einbüßt. Der Renault ZOE ist ein vollwertiges Auto, praktikabel und groß genug um den täglichen Bedarf an Aufgaben abzudecken.
Bei der Anschaffung eines Elektroautos muss immer beachtet werden, dass größere Aufgaben wie das verladen einer professionellen DJ-Musikanlage oder Geschäftsreisen auf längeren Strecken nur mit erheblichen Aufwand oder gar nicht zu bewältigen sind. Aber das sollte jeder, der sich einen Kleinwagen anschafft, sowieso berücksichtigen.
Solange die Ladeinfrastruktur noch nicht flächendeckend ausgebaut ist, ist man gut beraten sich die Möglichkeit auf den Umstieg auf ein Fahrzeug mit Verbrennermotor umsteigen zu können vorzuhalten.

Die Mobilität wird sich mit der Zeit verändern und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

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